Übung zur myofunktionellen Therapie mit einem Kind in der Kieferorthopädie Krumme Lanke in Berlin-Zehlendorf
Zahn & Gesundheit

Myofunktionelle Therapie
in Berlin-Zehlendorf

Wenn Zunge, Lippen und Atmung die Zähne in die falsche Richtung schieben.

Es gibt Behandlungen, die technisch alles richtig machen und trotzdem nicht halten. Die Zähne stehen am Ende gerade, ein Jahr später schiebt sich der Frontzahnbereich wieder auseinander. Dahinter steckt oft keine schlechte Apparatur, sondern eine Muskulatur, die jeden Tag in die andere Richtung arbeitet.

Was myofunktionelle Therapie ausmacht

Myofunktionelle Therapie ist eine Behandlung, die das Zusammenspiel von Zunge, Lippen, Wangen und Atmung im Mundraum verändert. Sie arbeitet nicht an den Zähnen, sondern an dem, was täglich auf sie einwirkt.

Die Zahlen dahinter überraschen viele: geschluckt wird etwa 1.000 bis 2.000 Mal am Tag. Wenn die Zunge dabei jedes Mal gegen die Frontzähne drückt statt an den Gaumen, summiert sich das. Kein einzelner Druck bewegt einen Zahn, aber tausend am Tag über Jahre schon. Kieferorthopädie arbeitet genau mit diesem Prinzip, nur eben absichtlich.

Ähnliches gilt für die Atmung. Wer dauerhaft durch den Mund atmet, hält die Lippen offen und die Zunge unten. Der Oberkiefer bekommt dann von innen keine Formgebung durch die Zunge und von außen keinen Gegenhalt durch die Lippen. Das beeinflusst, wie er wächst.

Woran Sie ein muskuläres Muster erkennen

Hinweise, die Eltern oft selbst bemerken:

  • der Mund steht im Ruhezustand offen, auch beim Fernsehen oder Einschlafen
  • die Zunge liegt beim Sprechen oder Schlucken sichtbar zwischen den Zähnen
  • Lispeln, das über das Vorschulalter hinaus bleibt
  • die Lippen sind trocken und rissig, weil sie kaum geschlossen werden
  • eine Zahnlücke im Frontbereich, die trotz Behandlung wiederkommt
  • Daumenlutschen oder Schnullergebrauch, das lange über das Kleinkindalter hinausging

Ein einzelnes Anzeichen bedeutet noch nichts. Mehrere zusammen sind ein Grund, sich das genauer anzusehen. Und ob dahinter ein muskuläres Muster steckt oder etwas anderes, etwa eine dauerhaft verlegte Nasenatmung, entscheidet sich nicht am Küchentisch, sondern nach einer Untersuchung.

In fünf Schritten

Ablauf der Behandlung

  1. 01
    Funktionsdiagnostik

    Wir sehen uns Ruhelage der Zunge, Schluckmuster, Lippenschluss und Atmung an, dazu die Zahnstellung. Dieser Bereich ist der Behandlungsschwerpunkt von Dina Hadzic, MSc.

  2. 02
    Ursachen klären

    Bei Hinweisen auf eine behinderte Nasenatmung schicken wir Sie zuerst zur hno-ärztlichen Abklärung. Solange die Nase nicht frei ist, kann kein Kind dauerhaft durch sie atmen, und dann führt Üben ins Leere.

  3. 03
    Übungsprogramm

    Ihr Kind lernt eine kleine Zahl gezielter Übungen für Zungenlage, Lippenschluss und Schlucken. Sie dauern wenige Minuten und werden täglich gemacht, ähnlich wie Physiotherapie: die Wiederholung macht die Wirkung, nicht die Intensität.

  4. 04
    Geräte zur Unterstützung

    Bei Bedarf kommt ein Lingualtrainer dazu, ein kleines herausnehmbares Gerät, das der Zunge ihre Position zeigt und sie vom Vorschieben abhält. Es ersetzt die Übungen nicht, es unterstützt sie.

  5. 05
    Kontrolle und Anpassung

    Alle sechs bis acht Wochen sehen wir, was sich verändert hat. Muster ändern sich langsam, deshalb schauen wir auf Wochen und Monate, nicht auf Tage.

Was ist ein Lingualtrainer?

Ein Lingualtrainer ist ein herausnehmbares kieferorthopädisches Gerät mit einem Gitter oder Bügel hinter den oberen Frontzähnen. Es blockiert den Weg, den die Zunge bisher genommen hat, und erinnert sie an die richtige Position am Gaumen.

Das klingt nach einer Kleinigkeit und ist doch der Punkt, an dem viele Behandlungen kippen. Ein Gerät kann ein Muster stören, ändern muss es die Zunge selbst. Deshalb arbeiten wir mit beidem, Gerät und Übung, und nicht mit einem allein.

Wann myofunktionelle Therapie sinnvoll ist

Sie kommt in Frage:

  • vor einer kieferorthopädischen Behandlung, damit sie auf stabilem Grund beginnt
  • begleitend zu einer herausnehmbaren Zahnspange oder einem Bionator
  • nach einer Behandlung, wenn die Zähne wieder zu wandern beginnen
  • bei Kindern mit offenem Biss im Frontzahnbereich
  • bei Lispeln, häufig zusammen mit einer logopädischen Behandlung

Bei ausgeprägten Sprachauffälligkeiten arbeiten wir mit Logopädie zusammen, statt sie zu ersetzen. Die beiden Bereiche überschneiden sich, deckungsgleich sind sie nicht.

Für Erwachsene gilt das Prinzip weiterhin, nur langsamer. Muster, die vierzig Jahre eingeübt sind, verändern sich nicht in sechs Wochen. Das braucht Geduld, und einen guten Teil der Arbeit macht der Patient selbst.

Was kostet die Behandlung?

Bei Kindern und Jugendlichen wird myofunktionelle Therapie häufig als Teil einer kieferorthopädischen Behandlung abgerechnet, deren Erstattung sich nach der KIG-Einstufung richtet. Ab Grad 3 übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung den Regelfall (Quelle: G-BA). Einzelne Leistungen und Geräte liegen außerhalb dieses Regelfalls.

Genaueres steht im Heil- und Kostenplan, den Sie vor Behandlungsbeginn erhalten. Wenn parallel eine logopädische Behandlung läuft, klären wir mit Ihnen, was wohin gehört, damit nichts doppelt läuft.

Die Zunge schluckt über tausend Mal am Tag – wenn sie dabei gegen die Zähne drückt, arbeitet sie gegen jede Behandlung. Deshalb schauen wir zuerst auf das Muster und erst dann auf die Apparatur.
Dina Hadzic MSc.Dina Hadzic MSc.Zahnärztin, Master of Science Kieferorthopädie. Seit 2017 rein kieferorthopädisch tätig, Schwerpunkte Funktionsdiagnostik und Funktionstherapie.

Häufig gestellte Fragen

Kann die Zunge wirklich Zähne verschieben?+

Ja, wenn sie es oft genug tut. Ein einzelner Druck bewegt nichts, tausend Schluckvorgänge am Tag über Jahre schon. Kieferorthopädie nutzt dasselbe Prinzip, nur kontrolliert.

Wie lange dauert eine myofunktionelle Therapie?+

Bei Kindern häufig einige Monate bis etwa ein Jahr, je nachdem, wie festgefahren das Muster ist und wie regelmäßig geübt wird. Eine feste Zahl wäre an dieser Stelle geraten.

Muss mein Kind jeden Tag üben?+

Ja, dafür nur wenige Minuten. Zwei kurze Einheiten, die zu festen Punkten im Tagesablauf gehören, funktionieren besser als eine lange am Wochenende.

Was hat Mundatmung mit den Zähnen zu tun?+

Bei offenem Mund fehlt der Zunge der Kontakt zum Gaumen und den Lippen der Gegenhalt. Beides beeinflusst, wie der Oberkiefer wächst. Deshalb steht am Anfang die Frage, ob die Nase frei ist.

Ist myofunktionelle Therapie dasselbe wie Logopädie?+

Nein, die Bereiche überschneiden sich aber. Hier geht es um Muskelfunktion im Mundraum in Bezug auf Zähne und Kiefer, in der Logopädie um Sprache und Sprechen. Bei Bedarf arbeiten wir zusammen.

Bringt die Therapie auch nach einer Zahnspange noch etwas?+

Gerade dann. Wenn Zähne nach einer Behandlung zurückwandern, ist ein muskuläres Muster einer der häufigen Gründe. Ein Retainer hält die Zähne, aber er ändert das Muster nicht.

Funktioniert das auch bei Erwachsenen?+

Ja, mit mehr Geduld. Die Muskulatur ist lernfähig, die Gewohnheit sitzt nur tiefer.

So finden Sie zu uns

Die Praxis liegt an der Argentinischen Allee in Berlin-Zehlendorf. Zu uns kommen Patientinnen und Patienten aus Zehlendorf, Dahlem, Schlachtensee, Nikolassee, Wannsee, Steglitz, Kleinmachnow und Teltow.

Praxis

Kieferorthopädie Krumme Lanke
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14169 Berlin

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Eine Funktionsdiagnostik zeigt, ob hinter der Zahnstellung ein muskuläres Muster steckt. Wenn ja, lässt sich daran arbeiten, und zwar bevor eine Behandlung beginnt statt danach.